Zeit zu Handeln – Klimaschutz Jetzt!

08.12.2007

Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) verstärkte in seinem Schlussbericht nochmals seine Warnungen.

Selbst bei Realisierung der optimistischsten Klimaschutzszenarien wäre eine weitere Erwärmung und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf Menschen und Ökosysteme bereits unvermeidlich.
Ohne konsequente Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen würden die Folgen jedoch noch katastrophaler ausfallen: Bis zum Jahr 2100 könnten hunderte Millionen Menschen unter Wassermangel leiden, mehr als 40 Prozent aller Arten aussterben und 30 Prozent aller Küstenfeuchtgebiete verloren gehen.

Die gute Botschaft des IPCC ist: Es kann noch gegengesteuert werden, um diese verheerenden Auswirkungen zu verhindern!
Doch die Zeit, das sog. 2° C Ziel zu erreichen, wird immer knapper.
Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) spricht von einem Zeitfenster von 10 bis 15 Jahren für eine radikale Trendumkehr bei den Treibhausgas- emissionen.

Diese Zeit ist jetzt gekommen und sie muss jetzt genutzt werden.

Doch nach wie vor steigen die Treibhausgasemissionen weltweit schnell an, während der internationale Klimaschutz sich im Zeitlupentempo bewegt.
Die Gefahr ist groß, dass trotz aller politischen Ankündigungen ernsthafter Klimaschutz im Gestrüpp von Lobbyinteressen hängen bleibt.

Staaten wie die USA und Australien blockieren schnelle Fortschritte, weil sie völkerrechtlich verbindliche Abkommen zum Klimaschutz wegen nationaler Interessen scheuen.
Selbst im „Klimaschutz-Musterland“ Deutschland fehlt immer noch ein plausibles Klimaschutzkonzept. Wen wundert es, dass auch in der Wirtschaft der „business as usual“, d. h. kurzfristiges Renditedenken dominiert - so, als würde es keine Ressourcen- und Klimakrise geben.
Selbst angesehene Studien – wie der Sternreport – deren Grundaussage ist, dass sich der Klimawandel letztendlich auch gegen die Wohlstands- gesellschaften des Nordens wenden wird und teuer bezahlt werden muss, werden nur unzulänglich wahrgenommen.

Der aufmerksame Beobachter fragt sich: „Kann das denn alles wahr sein?“ „Ist die Weltgemeinschaft wirklich unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen und dem Ernst der Lage angemessen zu handeln?“

Der rasante Klimawandel zeigt drastisch, wie begrenzt die Gestaltungskraft nationaler und internationaler Politik im Geflecht von Lobbyinteressen ist und er zeigt zugleich, wie notwendig ein schneller internationaler politischer Durchbruch ist.

Einen Beitrag zu leisten, diese mittlerweile lebensgefährlichen politischen Blockaden zu überwinden, ist das große Ziel des weltweiten Klimaaktionstages. Während auf Bali die internationalen Klimaschutzverhandlungen laufen, finden am 8. Dezember in vielen Ländern rund um den Globus Demonstrationen statt.
Tausende von Menschen gehen auf die Straße, weil sie sich nicht länger mit Absichtserklärungen vertrösten lassen wollen und Taten verlangen. Sie wollen der Politik ihres Landes deutlich machen, dass Klimaschutz nicht länger Stoff für Sonntagsreden sein darf, sondern Eckpfeiler der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge.

Eine gesellschaftliche Bewegung für Klimaschutz entsteht, weil immer deutlicher wird, dass wichtige Weichenstellungen oft nur halbherzig erfolgen, weil Alternativen etwa in der Energie- und Automobilwirtschaft möglich sind und doch verzögert werden.

In dieser Situation können auch die Kirchen nicht schweigen. „Klartext reden“ und „klar handeln“ bedeutet auch, davon zu Zeugnis zu geben, was uns als Christinnen und Christen dabei antreibt und Hoffnung gibt.
Die Freiheit, zu der uns Christus befreit hat (Gal. 5.1), ist auch eine „Freiheit zur Selbstbegrenzung“. Eine Selbstbegrenzung, deren Ziel Gerechtigkeit ist.

Christliche Freiheit hat zu allererst die Würde und Entwicklungschancen anderer Menschen, zukünftiger Generationen und die Bewahrung der Schöpfung zum Maßstab.
Wer darauf vertrauen kann, dass Gott in Jesus Christus den Tod und die Zerstörungen in dieser Welt überwunden hat und unter uns sein Reich wachsen lässt, muss trotz aller Bedrohung nicht in Nihilismus verfallen oder gar  - „nach uns die Sintflut“ - die Erde aus Raffgier plündern.
Dann weitet sich der Blick auf das, was für eine menschenwürdige, umweltgerechte Zukunft getan werden kann und darauf, was schon an zahlreichen Orten durch viele Menschen – zugegeben noch nicht ausreichend - geschieht.

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat im Frühjahr 2007 mit weiteren Kirchen, Umwelt- und Entwicklungsverbänden sowie Menschenrechts- initiativen die Klimaallianz gegründet.
Die Klimaallianz will in Deutschland eine breite gesellschaftliche Bewegung für konsequenten Klimaschutz initiieren, um Widerstände gegen wirksamen Klimaschutz zu überwinden.
Das Bündnis, in dem auch Greenpeace, der BUND, Brot für die Welt, der Evangelische Entwicklungsdienst und die VEM mitarbeitet, drängt auf anspruchsvolle Ziele, Maßnahmen und Zeitvorgaben im Klimaschutz - national wie international.

In einem gemeinsamen Positionspapier fordert das Bündnis die Bundesregierung auf, die angekündigte Vorreiterrolle im Klimaschutz mit entsprechenden konkreten Maßnahmen zu untermauern.
Der Klimaallianz geht es dabei einerseits um eine zukunftsorientierte Entwicklungspolitik, bei der Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und Armutsbekämpfung miteinander verschränkt werden. Anderseits drängt die Klimaallianz darauf, dass Deutschland im eigenen Land seine „Hausaufgaben“ macht.

Zusammen mit der Klimaallianz ruft die Evangelische Kirche von Westfalen am 8. Dezember zu einer Großveranstaltung an der Baustelle des Braun- kohlekraftwerks Neurath auf.
Von Neurath bei Düsseldorf soll ein Signal an die Politik ausgehen, dass die Zeit reif ist für glaubwürdige Taten. Es soll deutlich werden, dass immer mehr Menschen sich nicht mehr mit folgenlosen Absichtserklärungen zufrieden geben, sondern von der Politik konkreten Klimaschutz erwarten: Nicht irgendwann, sondern jetzt!

Machen Sie mit!

Mehr Informationen unter:

http://www.ekvw.de/fileadmin/sites/ekvw/Dokumente/Synode/2007/bss/t.ba-klimaschutz.pdf

http://www.die-klima-allianz.de

Klaus Breyer

 
 
 
 
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