Gedenktag der Opfer des 20. Juli 1944

20.07.2006

Die bekannten und unbekannten Widerständler waren unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Prägung – aber vereint in der Überzeugung, nicht länger zusehen zu können. Stauffenberg, der die Bombe platzierte, war sich sicher:
"Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem Gewissen. Ich könnte den Frauen und Kindern der Gefallenen nicht in die Augen sehen, wenn ich nicht alles täte, dieses sinnlose Menschenopfer zu verhindern."

Die Aktiven des 20. Juli bildeten keinen festen Kreis von Verschwörern. Sie alle aber betrachteten Untätigkeit als Mitschuld. Sie konnten die Verletzung der Menschenwürde durch die Nationalsozialisten nicht mehr mitansehen. „Christsein verlangt politisches Handeln“, so die Überzeugung vieler. Bis hin zum Tyrannenmord. Es galt, das Volk von Hitler und der Nazi-Herrschaft zu befreien und dem millionenfachen Morden ein Ende zu setzen. Dietrich Bonhoeffer war schon 1933 der Überzeugung, dass man „dem Rad selbst in die Speichen fallen“ müsse. Dies taten diejenigen, an die heute – und hoffentlich nicht nur heute – gedacht wird.

Die Kirche tat sich lange schwer damit, die Opfer des Attentates zu würdigen. 1986 wurde erstmalig bei einer Gedenkfeier in Anwesenheit des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland in Berlin des Widerstands gedacht.

„Die in jenen Tagen ihr Leben ließen, starben nicht umsonst. Ihr Vorbild wirkt weiter“, so würdigte Bischof Wolfgang Huber im Gedenkgottesdienst im Jahr 2004 die Frauen und Männer des 20. Juli.
Und tatsächlich: Sie ermahnen uns noch heute wachsam zu sein und die Augen nicht zu verschließen, wenn die Menschenwürde mit Füßen getreten wird. Wenn Menschen Opfer von totalitären Regimen werden. Wenn Krieg und die ungerechte Verteilung von Gütern Menschen quält.

Für Bonhoeffer bedeutete „Mündigwerden“, dass man im Sinne Gottes handeln muss, auch wenn es Gott „nicht gäbe“.
Und das heißt auch für uns heute: Übernahme von Verantwortung und Mitleiden mit dem Leiden Gottes an allem Versagen der Menschen in dieser Welt.

Dieter Wentzek

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