Hörbeitrag

"Red Hand Day" - Tag des Kindersoldaten

12.02.2005

„Der erste Mensch, den ich töten musste, war mein Großvater“, erzählt Mauro, ein ehemaliger Kindersoldat.
Er musste mit ansehen, wie seine Familie ausgelöscht wurde. Er selbst wurde von bewaffneten Kämpfern verschleppt.

Mauros Schicksal teilen schätzungsweise 300 000 Jungen und Mädchen in der gesamten Welt.
Wo immer es kriegerische Konflikte gibt, werden Kinder als Kämpfer, Kundschafter, Minenleger und lebende Schutzschilde missbraucht.
Die wenigsten schließen sich den Truppen aus Überzeugung an, die meisten werden entführt und manche werden von ihren Eltern zum Kämpfen geschickt.

Der 12. Februar ist Red-Hand-Day: Mit einer symbolischen roten Hand wird in vielen Ländern der Welt gegen den Missbrauch von Kindern in Kriegen protestiert. Der Tag erinnert auch an den 12. Februar 2002, an dem das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention in Kraft trat. Es schützt Kinder und Jugendliche vor dem Dasein als Kindersoldat. Doch es ist längst nicht in allen Ländern ratifiziert. Auch in Deutschland nicht.

Noch immer müssen Tausende Kinder – oft erst vier, fünf, sechs Jahre alt - in den Krieg ziehen. Als Kindersoldaten gelten die Mitglieder regulärer oder irregulärer Truppen unter 18 Jahren. Und zwar nicht nur die bewaffneten. Köche, Träger, Kuriere, Diener und andere in der Gefolgschaft der Truppen gehören dazu. Und auch Mädchen, die zu sexuellen Zwecken und für eine Zwangsheirat rekrutiert wurden, gelten als Kindersoldatinnen.

Das Leid dieser Kinder ist riesig. Hunger, Drogen, Krankheit und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Und die Gräueltaten, die die Kinder begehen müssen, brennen sich tief in ihre Seelen. Viele der Jungen und Mädchen sterben. Die meisten im Kampf, aber nicht wenige auch durch eigene Hand. Sie ertragen ihr Leben einfach nicht mehr.

Gelingt es den Kindersoldaten zu fliehen oder werden sie freigelassen, ist an ein normales Leben nicht zu denken. Wie auch, wenn Drill und Gewalt ein Kinderleben lang Einfluss hatten.

Der Weg zurück in ein normales Leben ist für die schwer Traumatisierten hart und bedarf der Unterstützung. Organisationen wie Unicef, terres des hommes oder Brot für die Welt kümmern sich um die seelische und medizinische Betreuung der ehemaligen Kindersoldaten. Sie bekommen eine schulische Ausbildung und damit eine Perspektive, normal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

Und während die wenigen Ehemaligen mühselig versuchen, wieder Fuß zu fassen, werden weiter viele Jungen und Mädchen entführt und für den Krieg missbraucht.
Grund genug also, am 12. Februar, die rote Hand zu erheben und an das Leid der Kindersoldaten zu erinnern.
Die Internationale Gemeinschaft muss eindeutige gesetzliche Regelungen, wie das Zusatzprotokoll zu der UN-Kinderrechtskonvention, ratifizieren und durchsetzen.
Seit 2003 können Verantwortliche für die Rekrutierung von Kindern vor dem ständigen Internationalen Strafgerichtshof Den Haag angeklagt werden. Das muss auch geschehen. Und dafür sollte man sich neben aller Hilfe für die Kindersoldaten einsetzten – und zwar nicht nur am Red-Hand-Day.

Gesine Lübbers

 
 
 
 
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